Prozessautomatisierung selbst gemacht: Wie Low-Code, No-Code und KI kontinuierliche Verbesserung auf ein neues Level heben können

Kontinuierliche Verbesserung passiert selten von allein. Was sich dagegen rasant verändert, sind die Werkzeuge, mit denen wir Verbesserungsideen und Prozessautomatisierung tatsächlich umsetzen. Vor allem in administrativen Prozessen hat sich in den letzten Jahren ein Paradigmenwechsel vollzogen: Wo früher jede kleine Anpassung in einem digitalen System einen IT-Change und viel Geduld erforderte, ermöglichen Low- und No-Code-Plattformen in Kombination mit KI heute, dass auch Fachbereiche ohne Programmierhintergrund eigene Lösungen bauen und weiterentwickeln können. Genau hier entsteht eine spannende Schnittstelle zu Lean Management und KVP: Menschen mit Prozessverantwortung können ihre Ideen nicht mehr nur skizzieren – sie können sie selber klickbar machen.

Low- und No-Code-Tools funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Statt Zeile für Zeile zu programmieren, werden Anwendungen visuell zusammengesetzt. Formulare, Datenflüsse, Benachrichtigungen oder ganze Workflows entstehen per Drag-and-Drop, mit vordefinierten Bausteinen und Konnektoren zu bestehenden Systemen. No-Code-Lösungen richten sich eher an „Citizen Developer“ ohne Programmiererfahrung – etwa mit Tools wie Make oder Zapier, die vor allem verschiedene Webdienste miteinander verbinden. Low-Code-Plattformen wie Microsoft Power Apps, Mendix, OutSystems oder SAP Build Apps gehen tiefer: Sie erlauben komplexere Logiken, Rollenmodelle und Integrationen, erfordern dafür aber auch ein grundlegendes Verständnis von Datenstrukturen und Abläufen. Für stark prozessgetriebene Szenarien bietet sich zudem ein Ansatz wie Camunda an, bei dem BPMN-Modelle direkt als ausführbare Prozesse dienen.

Ein praktisches Beispiel dafür, wie sich Low-Code und KVP ergänzen, ist eine digitale KVP-App für den Shopfloor: Verbesserungsvorschläge werden per App erfasst, mit Kategorie, Foto und Beschreibung angereichert, einem Bewerter zugewiesen und über einfache Statuslogik (neu, in Bearbeitung, umgesetzt, abgelehnt) nachverfolgt. Die Datengrundlage liegt etwa in einer SharePoint-Liste, die App selbst wird in Power Apps gebaut, Benachrichtigungen und automatische Mails laufen über Power Automate. Statt ein großes IT-Projekt aufzusetzen, entsteht eine erste lauffähige Version in wenigen Iterationsschritten: Mini-Lastenheft, einfache Prozessskizze, erster Prototyp, Feedback aus dem Team, Anpassungen – genau im Sinne von Lean-Start-up und KVP.

Künstliche Intelligenz wird dabei zum Entwicklungspartner. KI-gestützte Assistenten wie ChatGPT helfen, typische Hürden beim Bauen solcher Lösungen zu überwinden: Welche Steuerelemente brauche ich für mein Rollenmodell? Warum wird ein Feld nicht gespeichert? Wie kann ich die Sichtbarkeit von Elementen an Benutzerrollen koppeln? Statt sich stundenlang durch Foren zu klicken, lässt sich in natürlicher Sprache nachfragen, Beispiele erzeugen und schrittweise verfeinern. Besonders wertvoll ist das für Fachanwender:innen, die wissen, was der Prozess leisten soll, aber noch keine „digitale Routine“ haben – und für Teams, die mit Screenshots, Fehlermeldungen und konkreten Szenarien arbeiten. KI ersetzt dabei nicht das Nachdenken über Prozesse, sondern beschleunigt die Lernkurve und macht aus Ideen schneller funktionierende Anwendungen.

Aus der Beratungspraxis wissen wir: Gerade für kleine und mittlere Organisationen sind Low-/No-Code-Ansätze eine echte Alternative zu großen Individualentwicklungen – insbesondere dort, wo es um Workflow-Automatisierung, Datenmanagement, IT-Service-Management oder CRM-nahe Prozesse geht. Lösungen lassen sich kostengünstig testen, iterativ ausbauen und von den Fachbereichen selbst mitgestalten. Gleichzeitig bleiben einige Punkte unverzichtbar: eine klare Governance, abgestimmte Rollen zwischen IT und Fachseite, Regeln für Betrieb, Wartung und Lizenzen sowie ein Blick auf Skalierbarkeit und Sicherheit. Low-Code ist keine Wunderwaffe, sondern ein Werkzeug – wirkungsvoll, wenn es in eine passende Gesamtarchitektur eingebettet ist.

Unser Fazit mit Blick auf KVP: Low- und No-Code-Plattformen in Kombination mit KI eröffnen Lean- und Prozessverantwortlichen die Möglichkeit, Verbesserungsimpulse direkt in technische Lösungen zu übersetzen – ohne monatelang auf IT-Ressourcen zu warten. Wer seine Prozesse versteht, kann heute selbst klein starten, Prototypen bauen, lernen und Schritt für Schritt professionalisieren. Genau das ist der Kern eines gelebten kontinuierlichen Verbesserungsprozesses: nicht nur über Veränderungen sprechen, sondern sie sichtbar machen, testen und gemeinsam weiterentwickeln.

Zum ausführlichen Beitrag auf better-process.com
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Künstliche Intelligenz für das Prozessmanagement 2.0